„Die Mannschaft ist in Japan zusammengewachsen“

Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger über die WM-Vorbereitung

Team Germanys Road to Hamburg! Die Nationaltrainer Martin Otto und Nicolai Zeltinger schreiben über den Weg des deutschen Frauen- und Männerteams zur Heim-Weltmeisterschaft vom 16. bis 26. August 2018. Teil 10: Herren-Trainer Nicolai Zeltinger über die Japan-Reise seines Teams, den World Super Cup in Frankfurt und das Turnier in Polen.

Vieles ist passiert in den vergangenen Wochen: Wir haben Turniere in Japan, Frankfurt und Polen gespielt und es ist nur noch weniger als einen Monat bis zur WM – aber der Reihe nach.

Der Japan-Trip war die erste Maßnahme, bei der wir alle Spieler beisammen hatten, nachdem Alex Halouski beim Camp in der Schweiz noch gefehlt hatte und André Bienek jetzt auch fest zu unserem Kader zählt. Ich war mit vielen Dingen schon zufrieden, wenn auch nicht mit den Ergebnissen.

Wir waren sportlich gesehen noch nicht so schnell da, wo ich uns gesehen habe. Wir mussten Alex noch ins Spiel einbinden, was uns dann auch gut gelungen ist, dazu war André gesundheitlich angeschlagen. Aber wir konnten viel über Spielverständnis sprechen und viel testen, Japan, das Australien und Kanada besiegt hatte, war zum Beispiel wirklich stark als Gegner.

Abseits des Platzes war Japan aber auch wichtig: Wir hatten insgesamt zwei halbe Tage frei, da haben wir die Jungs dann losgeschickt, Tokio zu erkunden. Es gab die Möglichkeit, Richtung Downtown zu fahren um mal etwas anderes als nur Halle und Hotel zu sehen. Da sind die Spieler dann alleine mit der U-Bahn los und haben sich ins Tokioer Abenteuer gestürzt. Wir hatten ja noch drei Tage bis zur Abreise und hätten sie wieder einfangen können. 

Außerdem ist einer der Spielhallen für die Paralympics 2020 schon fertiggestellt worden und wir konnten sie und die Trainingsstätten sehen, bevor wir in zwei Jahren hoffentlich wieder dort hin kommen.

Warum ich das alles erzähle? Die Art und Weise, wie die Mannschaft an den elf Tagen in Japan zusammengewachsen ist, war richtig gut, weil man gemerkt hat, wie viel so eine Reise dazu beiträgt, eine Einheit zu werden.

Nach guten Spielen gegen die Niederlande in Bonn haben wir dann noch beim World Super Cup in Frankfurt gegen Südkorea und Marokko getestet – aus einem einfachen Grund: Ich wollte es vermeiden, dass wir wie in Rio das Eröffnungsspiel gegen einen unbekannten Gegner haben und dann wie vom Iran überrascht werden. Das beste Mittel ist es meiner Ansicht nach, die Gegner kennenzulernen, indem man gegen sie spielt, das haben wir mit Marokko nun gemacht. Südkorea kann ein Crossover-Gegner werden, wie Polen, den wir bei den jüngsten Maßnahmen kennengelernt haben.

In Polen hatten wir mit Großbritannien, der Türkei, Kanada und Polen starke Gegner, leider haben wir alle Spiele verloren, wenn auch knapp. Wir hatten den Fokus auf unsere Verteidigung gelegt, damit bin ich auch zufrieden. Aber in der Offense haben wir zu viele Chancen ungenutzt gelassen.

Von 26 Testspielen haben wir 18 absolviert, acht gewonnen und zehn verloren. Jetzt beginnt die heiße Phase in Richtung WM – und wir werden die verbleibende Zeit bis zur WM intensiv nutzen, um im Angriff unsere Würfe kaltschnäuziger zu verwandeln.

Foto: MSSP Michael Schwartz