„Die taktischen Elemente sind anspruchsvoller“

Die WM-Schiedsrichter Carsten Rehling und Erik Etzelmüller im Doppel-Interview

Wenn ab dem 16. August 2018 in der edel-optics.de-Arena die Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft in Hamburg läuft, sind die beiden Nationalmannschaften nicht die einzigen deutschen Akteure auf dem Feld. Die RBBL-Schiedsrichter Erik Etzelmüller und Carsten Rehling sind als zwei von 32 Referees für die WM nominiert worden.

Bereits am Dienstag, den 14. August, reisen die beiden mit ihren Kollegen an, anschließend stehen zwei Tage Lehrgang auf dem Programm, bevor am 16. August dann die WM startet. Die Ansetzungen erfolgen kurzfristig – daher wissen Etzelmüller und Rehling aktuell noch nicht, welche Spiele sie pfeifen werden. Im Doppel-Interview verraten sie, wie sie Rollstuhlbasketball-Schiedsrichter geworden sind, welches die Unterschiede zum Fußgänger-Basketball sind und warum sie sich auf die Heim-WM freuen.

Wie sind Sie als Schiedsrichter zum Rollstuhlbasketball gekommen?

Etzelmüller: Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger und ich haben mal für ein oder zwei Saisons zusammen im Verein Fußgänger-Basketball gespielt beziehungsweise trainiert, da er am Wochenende, wenn die Spiele waren, Rollstuhlbasketball hatte und ich meistens als Schiedsrichter unterwegs war. Als er davon erfuhr, hat er mich ermuntert, doch auch mal im Rollstuhlbasketball als Schiedsrichter tätig zu werden.

Rehling: Mein Vater hat hier im Saarland die RSG trainiert. Als ich dann einmal für sechs Wochen mein oberes Sprunggelenk in Gips hatte, habe ich mich in den Rollstuhl gesetzt und mittrainiert. So habe ich 2000 dann neben meiner Fußgänger-Schiedsrichterlaufbahn auch angefangen Rollstuhlbasketball zu pfeifen – ab 2005 international.

Was waren ihre Highlights als Schiedsrichter?

Etzelmüller: In Bezug auf internationale Turniere und Spiele natürlich meine beiden bisherigen Nominierungen für die U23-EM in Lignano sowie die U23-WM in Toronto im vergangenen Jahr. Hinzu kommt eine IWBF Clinic, an der ich 2015 teilnehmen durfte.

Rehling: Bei mir waren es bislang zwei Paralympics-Teilnahmen und sicherlich auch die WM im südkoreanischen Incheon, aber auch der Americas Cup in Vancouver oder Turniere in Asien und Ozeanien. Und natürlich drei EM-Teilnahmen, darunter 2013 in Frankfurt.

Gibt es Unterschiede, Fußgänger oder Rollstuhlbasketballer zu pfeifen?

Etzelmüller: Ja, die gibt es. Neben einigen Regelunterschieden hat Rollstuhlbasketball vor allem taktisch eine gänzlich andere Prägung. Dies wirkt sich auch auf unsere Arbeit als Schiedsrichter aus. So ist die Schiedsrichtertechnik aus dem Fußgänger-Basketball entsprechend angepasst.

Rehling: Es sind große Unterschiede, die Spieler sitzen in den Stühlen, da springt ja niemand hoch. Dafür gibt es zum Beispiel rollstuhlspezifische Kontakte, die taktischen Elemente sind anspruchsvoller – darauf muss man reagieren.

Auf was freuen Sie sich in Hamburg am meisten?

Etzelmüller: Ich war bei der Heim-EM als Kampfrichter bei einigen Spielen am Tisch und habe diese in guter Erinnerung behalten. Jetzt freue ich mich auf altbekannte und neue Gesichter, die ich wiedertreffe beziehungsweise kennen lernen kann; auf eine tolle Organisation und auf – trotz besten Wetters – volle Hallen, damit der Sport das Publikum hat, welches er verdient.

Rehling: Im Publikum werden viele Leute sein, die man kennt, meine Familie wird da sein, da ist der Kontakt zu den Zuschauern anders. Ich freue mich auf ein schönes Turnier und darauf, dass wir den Teilnehmern aus aller Welt unsere Gastfreundschaft zeigen können.

Hintergrund

Der Internationale Rollstuhlbasketball-Weltverband IWBF hat auch drei Deutsche als Offizielle nominiert.

Angeführt von Turnierleiter Charlie Bethel wird ein vierköpfiges Team für den gesamten Ablauf verantwortlich sein, neben Bethel sind das der deutsche Norbert Kucera, der Südafrikaner Craig Moorgas und der Tscheche Petr Tucek. Begleitet werden sie von Maureen Orchard als Generalsekretärin und Steph Gagne als Medienverantwortliche.

Die sechsköpfige WM-Klassifizierungskommission wird geleitet von Don Perriman aus Australien, zudem entsendet der Verband sechs Spiel- und sechs Schiedsrichterbeobachter nach Hamburg.

Während die deutschen Teams um Medaillen kämpfen, mischen mit Carsten Rehling und Erik Etzelmüller auch deutsche Schiedsrichter auf dem Court mit, die als zwei von 32 Referees nominiert worden sind.

Die Weltmeisterschaft findet vom 16. bis 26. August im Hamburger Inselpark statt.

Fotos: Steffie Wunderl