Im Gespräch mit Katharina Fegebank

Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg

Frau Fegebank, als Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg sind sie viel an Alster und Elbe unterwegs und kommen mit jeder Menge Menschen und Sportveranstaltungen in Kontakt. Ohne einzelne Events gegeneinander aufwiegen zu wollen, aber: Was unterscheidet die Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft und die Vorbereitungen auf diese inklusive Großveranstaltung im Inselpark von anderen Events an der Waterkant?
 
Die Rollstuhlbasketball-WM ist nach den Paralympics die größte Sportveranstaltung im Behindertensport. Dies zeigt schon mal die sportliche Bedeutung dieses Turniers. Spürbar ist auch die besondere Begeisterung für diese Veranstaltung bei allen, die an der Vorbereitung beteiligt sind, gerade wenn es darum geht, kreative Lösungen für praktische Herausforderungen zu finden. Wir wünschen uns, dass Inklusion nicht nur auf dem Spielfeld gelebt wird, sondern auch rund um das sportliche Ereignis. Ich freue mich ganz einfach auf eine WM in toller Atmosphäre und mit beeindruckenden sportlichen Leistungen. 
 
 
Sie waren auch zu Gast auf der offiziellen WM-Auslosung im St. Pauli-Museum. Um beim maritimen Flair Hamburgs zu bleiben: Welch positiven Wellengang konnten Sie seitdem feststellen?
 
Die WM ist in der Stadt zunehmend präsent. Das gilt natürlich für die Ankündigungen auf Plakaten und in U-Bahnen. Aber es gilt auch für das, was man so als Stadtgespräch bezeichnet. Das Ereignis spielt in vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Institutionen und Partnern eine Rolle, auch und gerade im Hinblick darauf, wie man sich einbringen kann. Und immer mehr Hamburger schauen in den Spielplan, um sich die Spiele in den Kalender einzutragen.
 
 
In das Umfeld und den WM-Ablauf werden auch jede Menge Hamburger Vereine, Institutionen, Schulen, Künstler und Einrichtungen involviert, um nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, sondern auch die positive und weltoffene Stimmung Hamburgs auf die Veranstaltung abfärben zu lassen. So haben sich bis dato u. a. schon 8.000 Schülerinnen und Schüler ihren WM-Besuch angekündigt. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, die „Inklusion Hamburgs“, also die Einbindung der Hamburger Bürgerinnen und Bürger, in das Event zu forcieren bzw. zu berücksichtigen?
 
Die Stadtgesellschaft kann von dieser WM sehr profitieren, natürlich auch mit Blick auf die Inklusion. Das Thema wird nicht nur durch die sportlichen Leistungen ins öffentliche Interesse gerückt, sondern auch im Inselpark um die Hallen herum, auf den Wegen dorthin, in den Hotels und in anderen Bereichen unseres Alltags.  Uns ist es wichtig, allen Menschen die Teilhabe an dieser WM zu ermöglichen und sie auch einzuladen, sich zu informieren, auszuprobieren, neue Eindrücke zu sammeln. Und vor allem natürlich, einfach eine tolle Zeit zu haben. Bei den Spielen und dem vielfältigen Rahmenprogramm. Wie begeisterungsfähig und weltoffen das Hamburger Publikum ist, haben wir schon mehrfach bewiesen. Ich bin mir sicher, dass wir dies auch im August erleben können.
 
 
Die Tage vom 16. bis zum 26. August bieten nicht nur weltmeisterlichen Sport, sondern auch Ansätze, das Thema Inklusion weiter in den Köpfen der Besucher und der Hamburger Bürgerinnen und Bürger zu verankern. Welchen Stellwert räumen Sie der WM in diesem Zusammenhang ein?
 
Ich glaube, die ganze Stadt kann viel lernen und profitieren, wenn es heißt, gemeinschaftlich Lösungen zu finden und Herausforderungen trotz Handicaps anzugehen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie spannend Rollstuhlbasketball ist.
 
Hamburg ist eine wachsende Stadt. Deshalb diskutieren wir viel darüber, wie wir alles unter einen Hut bekommen: Mehr Einwohnerinnen und Einwohner, mehr Wohnungen und Arbeitsplätze - und zugleich der konsequente Schutz von Hamburgs Grünflächen, Parks und Plätzen. Weil eine Stadt auch öffentliche Orte der Gemeinschaft und Erholung braucht. Inklusion schafft auch ein Bewusstsein für den Wert solcher Orte und dafür, dass sie allen zugänglich sein müssen.  Und der Sport gibt ein Beispiel dafür, wie wir für den Zusammenhalt in der Gesellschaft sorgen können. Jeder wird gebraucht, jeder kann etwas einbringen. So ist es in einer Mannschaft, so ist es in einer Stadt.
 
Können Sie uns auch einen Einblick gewähren, was die Freie- und Hansestadt Hamburg unternimmt, um es Rollstuhlfahrern, Behinderten und Beeinträchtigten einfacher zu machen bzw. deren Blickwinkel in die politische Arbeit einfließen zu lassen?
 
In unserem Landesaktionsplan Inklusion haben wir den Anspruch formuliert, Menschen mit Behinderung stärker zu beteiligen. Deshalb haben wir 2015 eine Vereinbarung mit der Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG) geschlossen, in der sich über 60 Organisationen zusammengeschlossen haben. Das bedeutet konkret: Wir reden miteinander und holen uns praxisnahes Know How, damit wir gute Entscheidungen treffen. Inklusion geht eben alle an – und alle können davon profitieren. Von barrierefreien Zugängen zu Veranstaltungen profitieren zum Beispiel nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Mütter mit Kinderwagen. Im Schwedischen kann man das Wort Behinderung mit „Funktionsvariation“ übersetzen. Das gefällt mir sehr gut, weil es etwas Wichtiges ausdrückt: Wir haben alle unterschiedliche Voraussetzungen, auch körperliche Voraussetzungen. Aber wir haben die gleichen Bedürfnisse nach Teilhabe.
 
Natürlich werden wir Sie nicht gehen lassen, ohne uns vorher mitzuteilen, wer bei den Herren und den Damen am 25. und 26. August 2018 den Weltmeisterpokal gen Hallendecke stemmen wird?
 
Wir haben ja gerade bei der Fußball-WM wieder erlebt, welche Überraschungen der Sport bereithält. Natürlich drücke ich den beiden deutschen Teams besonders die Daumen. Und ansonsten gilt: Möge der Bessere gewinnen!