„Wir werden vier oder fünf Test-Ziehungen machen“

Nicolai Zeltinger über die WM-Auslosung

Team Germanys Road to Hamburg! Ab sofort schreiben die Nationaltrainer Martin Otto und Nicolai Zeltinger im monatlichen Rhythmus über den Weg des deutschen Frauen- und Männerteams auf die Heim-Weltmeisterschaft vom 16. bis 26. August 2018. Teil 2: Herren-Trainer Nicolai Zeltinger über seltene Pausen für die Spieler und wie er die WM-Auslosung mit seinen Co-Trainern probt.

Anders als die Frauen-Nationalmannschaft habe ich meine Spieler in diesem Jahr noch nicht zum Camp beordert. Das hat zwei Gründe: Zum einen haben wir nur eine begrenzte Anzahl an Maßnahmen pro Jahr zur Verfügung und machen das Screening daher an Ostern, wenn auch das Selection Camp ist und der Kader nominiert wird. Zum anderen haben die Nationalspieler relativ wenig Pausen: Wenn im August die WM vorbei ist, geht es im September im Verein wieder los. Über den Jahreswechsel hatten die Jungs daher wirklich mal eineinhalb bis zwei Wochen Zeit, um etwas abzuschalten, aus ihrem Sportrollstuhl rauszukommen und an andere Dinge zu denken. Das war mir wichtig. Fit halten mussten sie sich selbstredend trotzdem auch über Weihnachten.

Die Auslosung am Montag ist eine ganz spannende Geschichte, die unheimlich vielschichtig ist. Die Gegner haben ihre Teams noch nicht definiert, aber im Groben kennen wir alle und wissen, wie Ihre Spielstärke ist und wer uns liegt und wer eher nicht. Wir gehen immer vom Worst-Case-Szenario aus, dass alle Top-Spieler dabei sind und bereiten uns darauf vor.

Ich werde auf zwei Dinge achten, wenn wir uns am Ende der Auslosung für eine Vorrundengruppe entscheiden: Wer sind unsere Gegner und wer würde uns im Achtel- und Viertelfinale herausfordern? Die Gruppen A und B spielen im Achtelfinale über Kreuz und die Gruppen C und D.

Bei den Frauen gibt es nur zwei Vorrundengruppen, bei uns vier. Da gibt es viel mehr Optionen, wir müssen uns überlegen, in welche Gruppe wir gerne reingehen würden. Zusammen mit meinen Co-Trainern Martin Kluck und Paul Bowes werden wir das üben. Paul wird aus Kanada in einer Skype-Konferenz zugeschalten, dann werden wir vier oder fünf Test-Ziehungen machen, um im Modus drin zu sein. Das bei der Auslosung in zwei bis fünf Minuten zu entscheiden, wird nämlich stressig.

Martin hat eine Excel-Tabelle mit allen Varianten programmiert, die Türkei als gesetztes Team unseres Topfes können wir ja beispielsweise nicht bekommen, weil dann eine Vierergruppe schon besetzt sein wird. So sind wir für alle Überkreuz-Optionen gewappnet.

Unser Ziel ist das Viertelfinale, das halte ich für sehr realistisch. Persönlich will ich immer mehr, ich will immer gewinnen und sage auch mal mit einem Augenzwinkern: Wo, wenn nicht in Hamburg Weltmeister werden? Aber dann kriege ich wieder Ellbogen von unserer Sportpsychologin, weil wir natürlich groß denken müssen, aber gleichzeitig nicht zu viel Druck auf die eigenen Leute aufbauen dürfen.

Das Niveau wird sehr hoch sein. Neben den klassischen Favoriten wird es ein gigantisch großes Mittelfeld geben, in dem jeder gewinnen kann. Die ganzen Teams, die bei der EM hinter uns waren – Polen, Holland, Spanien – aber auch Brasilien, Argentinien, Südkorea und Japan, sind alle stärker geworden. Die asiatischen Teams konnte ich bei ihrer Qualifikation im Oktober live vor Ort sehen, die spielen alle guten Basketball – aber ich bin davon überzeugt, dass auch alle schlagbar sind.  

Foto: MSSP michael schwartz sportphotos