Bauchgefühl entscheidet

Martin Otto über die WM-Auslosung

Team Germanys Road to Hamburg! Ab sofort schreiben die Nationaltrainer Martin Otto und Nicolai Zeltinger im monatlichen Rhythmus über den Weg des deutschen Frauen- und Männerteams auf die Heim-Weltmeisterschaft vom 16. bis 26. August 2018. Teil 1: Frauen-Trainer Martin Otto über den Start ins WM-Jahr und wie er sich auf die Auslosung am 29. Januar vorbereitet.

Am Wochenende sind wir schon in die Vorbereitung in die Saison der Heim-Weltmeisterschaft gestartet: Beim Screening, das vom Olympiastützpunkt Rheinland in Bad Honnef durchgeführt wurde, wurde der Zustand der Mädels getestet, um die Werte mit denen des Sommers zu vergleichen, als wir das zum ersten Mal gemacht haben. Im April wird dann erneut gecheckt – dann bekommt jede ihren individuellen Trainingsplan bis zur WM im August.

Die Auslosung am 29. Januar ist dann auch das erste offizielle WM-Event für uns. Durch den Modus haben wir als Gastgeber am Ende der Auslosung die Chance, uns eine der beiden Gruppen auszusuchen, in der dann schon jeweils fünf Teams vorhanden sind. Das mag vielleicht wie ein Vorteil anmuten, aber ich weiß nicht, ob es wirklich einer ist.

Ich kann zwar einigermaßen beurteilen, wie unsere Kontrahenten drauf sind, aber ich kann mich ja für eine vermeintlich leichte Gruppe entscheiden und im Viertelfinale möglicherweise ein schwaches Spiel gegen einen schweren Gegner machen und direkt einen vor den Bug geschossen bekommen. Dann ist alles zu Ende. Ich kann uns aber genauso eine Gruppe mit stärkeren Teams zuordnen, werde vielleicht nur Gruppenvierter und treffe möglicherweise im Viertelfinale auf Europameister und WM-Favorit Niederlande, der die andere Gruppe auffüllt. Ich finde die Situation sehr spannend.

Es gibt ja nicht viele Kombinations-Möglichkeiten. Im Topf mit Australien und China haben wir gegen Australien in der jüngeren Vergangenheit eine 2:2-Bilanz, sie gehören für mich zu den Medaillenfavoriten. China hat sie aber zweimal geschlagen, die kenne ich nur vom Video. Für wen soll ich mich also entscheiden?

Bei Kanada und den USA ist Kanada sicherlich ein klarer Halbfinalkandidat, die USA schätze ich nicht ganz so stark ein, aber dort ist alles schnelllebig, es kann auch passieren, dass ältere Spielerinnen, die aktuell nicht mehr dabei sind, plötzlich wieder im Kader sind.

Vor Großbritannien habe ich großen Respekt, ein ganz gefährlicher Gegner, der die gesamte Saison 2017/2018 zusammen als Mannschaft trainiert. Frankreich haben wir zwei Mal geschlagen, das ist für mich eine Mannschaft, gegen die man gewinnen muss, wenn man erfolgreich sein möchte. Die Töpfe Algerien/Spanien und Brasilien/Argentinien gibt es auch noch.

Ich denke, wenn Kanada, Australien und Großbritannien mit uns in eine Gruppe kämen, wäre das sicher die Knaller-Gruppe, ungeachtet, welche zwei Teams dann noch dazukommen würden. Das Team, das dann Vierter in dieser Gruppe werden würde, hätte dann sehr wahrscheinlich Holland als Gegner. Das ist alles eine Spielerei und ganz ehrlich? Momentan würde ich fast vermuten, dass am Ende mein Bauchgefühl entscheidet.

Fotocredit: privat