"Hamburg als WM-Standort ist ein Geschenk"

Internationale Volunteers verraten ihre Motivation

Aus 20 verschiedenen Nationen kommen die Volunteers, die sich bislang für die Rollstuhbasketball-Weltmeisterschaft in Hamburg beworben haben. Sie nutzen ihre Freizeit und investieren ihr Geld, um sich selbst und anderen ein tolles Erlebnis zu bescheren. Was ist ihre Motivation? Vier Volunteers erzählen von ihren Hoffnungen und Erfahrungen.

Wiebke Tamme (Kanada)

„Ich komme aus Gießen und habe die Heimspiele des RSV Lahn-Dill bis zu meinem Umzug nach Kanada regelmäßig besucht. Dort habe ich von der WM in Hamburg automatisch mitbekommen – und natürlich über Facebook. Der Gedanke als Volunteer mitwirken zu wollen, kam mir aber erst im Zusammenhang mit meiner beruflichen Neuorientierung. Ich wollte weg vom reinen Computer-Alltag hin zu mehr persönlicher Interaktion. Ich kann mich als Volunteer nicht nur gesellschaftlich engagieren, sondern auch mein Interesse für Rollstuhlbasketball mit wertvollen Einblicken in eine Sport-Großveranstaltung verbinden.“

Geraldine Weilandt (Frankreich)

„Mein Sohn Luc hat im Mai 2017 einen Unfall gehabt, Diagnose: komplette Querschnittlähmung. Er ist im BG Klinikum in Hamburg behandelt worden. Dort habe ich viel Zeit verbracht. Ich bin vielen Menschen begegnet: Jungen und Alten mit starken Einschränkungen, manche konnten wieder laufen, manche werden es in der nahen Zukunft nicht mehr können. Dort hat Luc wieder mit Sport angefangen. Wir haben eine Spielerin der Nationalmannschaft getroffen: Anne. Eine tolle Frau, die uns viel Mut und Zuversicht geschenkt hat. Sie hat uns einiges über Rollstuhlbasketball erklärt. Es hat mich fasziniert, wie Vielfalt dort gelebt wird: In der Bundesliga geschlechtergemischte Teams mit Fußgängern, alle sitzen für diesen Sport in Rollstühlen. Dann hat Luc sich für Rollstuhlbasketball als Spieler interessiert. Er hat Trainings beim HSV gestartet und wir sind gemeinsam zu einem Bundesligaspiel gefahren. Ich war so beeindruckt von der Schnelligkeit, von den unermüdlichen Spielern, die aufeinander stoßen, runterfallen und von alleine wieder hochkommen. Es ist Hochleistungssport. Was die Spieler auf dem Feld leisten, ist große Kunst. Während eines Spiels habe ich die Werbung für ZADONK gesehen. Hamburg als WM-Standort ist ein Geschenk. Wir werden die besten Spieler weltweit bewundern können. Warum also nicht helfen? Sport gibt den Menschen Kraft, Positivität, hilft das Selbstbewusstsein zu stärken und ist gerade für Menschen mit Behinderungen essentiell. Über die eigene Grenzen hinaus gehen, das Leben zu spüren. Der Sport für und mit Menschen mit Behinderungen braucht viel Unterstützer, Gelder, Bekanntheit. Wenn ich daher einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, machen ich es gerne.“

Lieve Van Kerkhove (Belgien)

„Ich habe von der WM im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft auf Teneriffa gehört, als ZADONK dem Publikum vorgestellt wurde. Dort war ich auch als Volunteer und sagte dem ZADONK-Team schon damals, dass ich mich gerne engagieren würde. Warum als Volunteer? Mein Mann ist Rollstuhlbasketballspieler, schon bevor wir uns kennenlernten. Ich war so stolz, als er mit seiner Mannschaft im damaligen Eurocup spielte. Als wir 1990 als Zuschauer beim Gold Cup in Brügge dabei waren, öffnete sich eine ganz neue Welt für mich. Das Spielniveau war so hoch – das hatte ich niemals zuvor gesehen. Zwei Jahre später bin ich zu den Paralympics in Barcelona gegangen, wieder als Zuschauer. Dort war es nicht möglich, so nah an die Athleten zu kommen wie in Brügge. Damals habe ich beschlossen, so viel wie möglich mich bei internationalen Wettbewerben als Freiwillige einzusetzen – um zu lernen und die Kenntnisse an unsere eigene Mannschaft weiterzugeben.“

Mohamed Amchtkou (Marokko)

„Ich bin 30 Jahre alt und Übersetzer und Dolmetscher von Beruf. Eigentlich wollte ich als Sportlehrer in Marokko arbeiten, aber leider habe ich die benötigte Note für den Aufnahmetest des Sportinstituts in Casablanca nicht erreicht. Stattdessen orientierte ich mich in Richtung Germanistik und Übersetzung, blieb dem Sport aber treu. Im Dezember 2013 arbeitete ich als Volunteer bei der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft, die von Marokko organisiert wurde. Dort betreute ich zwei körperlich behinderte Personen der Delegation des FC Bayern. Dieser Freiwilligendienst begeisterte mich so sehr, dass ich weiterhin als internationaler Volunteer arbeiten wollte. In meiner Stadt Agadir arbeite ich mit einer Rollstuhlbasketball-Mannschaft und weil wir viele Turniere organisieren, kann ich viel Nutzen aus der WM ziehen: Zunächst kann die Veranstaltung in Hamburg meine Organisationskompetenzen entwickeln, ich kann Kontakte knüpfen, die dem Team in Agadir helfen und ich kann meine Liebe für Sport und Freiwilligendienst befriedigen. Ich möchte gerne einen Beitrag im Bereich Sportveranstaltungen in Deutschaland leisten, vor allem, wenn es um eine Sportart geht, die ich als humanitär betrachte.“

Ihr wollt auch als Volunteer dabei sein? Hier findet Ihr mehr Infos.